Verbindung und Respekt
Was sie in der Ausbildung wirklich bedeuten – und warum sie gerade im Hundesport so herausfordernd sind
Zwei große Worte. Zwei leise Qualitäten. Und gerade im Hundesport oft zwei der schwierigsten Aufgaben.
Vor allem dann, wenn wir mit sehr triebigen Hunden arbeiten. Oder mit Hunden, die nervös sind, schnell kippen, sich festfahren oder scheinbar „zu viel“ oder „zu wenig“ zeigen.
Und ehrlich gesagt: auch dann, wenn wir selbst sehr ambitioniert sind.
Wenn ich anderen beim Training zuschaue – und mir selbst – komme ich immer wieder an diesen Punkt.
An meine Grenze.
An den Moment, in dem ich spüre: So wie gerade, geht es nicht weiter.
Vielleicht ist genau das der Kern von Verbindung und Respekt.
Nicht das perfekte Training.
Nicht die perfekte Technik.
Sondern irgendwann die innere Entscheidung zu treffen:
Ich brauche hier einen anderen Weg. Einen neuen Impuls. Eine andere Haltung.
Und ja – das fühlt sich oft hilflos an.
Manchmal traurig.
Manchmal auch enttäuschend.
Kennst du das auch?
Du weißt, dass du einen großartigen Hund an deiner Seite hast.
Einen Partner, der für Prüfungen geeignet ist. Für hohe Ziele. Für Leistung.
Und trotzdem taucht dieser Gedanke auf:
Ist das alles wirklich wert?
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Wenn Wissen nicht mehr reicht
Mein Weg ist es, an mir zu lernen – und genau das weiterzugeben.
Ich entdecke immer wieder, dass ich trotz Wissen, Erfahrung und Wahrnehmung an Grenzen komme.
Nicht, weil ich unfähig bin.
Sondern weil Wollen allein keine Lösung ist.
Und ganz ehrlich:
Manche Dinge möchte ich nicht mehr.
Ich weiß viel über Hunde.
Ich kann viel wahrnehmen, erkennen und oft auch direkt umsetzen.
Und trotzdem ist es beim eigenen Hund manchmal am anspruchsvollsten.
Warum?
Weil es Erwartung ist.
Die Erwartung an mich selbst.
Und die Erwartung, von der ich glaube, sie nach außen erfüllen zu müssen.
Dieses innere „Ich muss“.
Dieses Gefühl, zeigen zu wollen, dass ich dazugehöre.
Dass ich ein Recht habe, hier zu sein.
Aber habe ich das nicht ohnehin?
Natürlich habe ich dieses Recht.
Und trotzdem möchte ich verstehen, welcher Weg mir wirklich guttut.
Nicht nur dem Hund. Auch mir.
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Erfolg entsteht nicht durch Druck – sondern durch Gefühl
Ich bin mir sicher:
Der Erfolg kommt. So wie er immer kommt.
Ich bin mir sicher, dass Prüfungen möglich sind.
Ich bin mir sicher, dass ich mein Leben mit diesem Hund verbringen möchte.
Aber getragen wird all das nicht vom Zwang.
Sondern vom Gefühl.
Kannst du es fühlen?
Dieses tiefe innere Wollen?
Und gleichzeitig diesen stillen Zweifel?
Vielleicht darf dieser Zweifel endlich aufhören, gegen uns zu arbeiten.
Und anfangen, Bewegung zu sein.
Bewegung in Richtung dessen, was wir wirklich wollen.
Ohne Missverständnisse.
Mit Klarheit.
Mit Verbindung.
Mit Lernen.
Mit Körpersprache.
Mit sicherer, ruhiger Führung.
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Führung ist kein Verhalten – Führung ist ein Rahmen
In meiner Arbeit – im Training, im Online-Kurs und im neuen Buch – geht es genau darum.
Nicht um Bewertung.
Sondern um Erkennen.
Darum zu sehen, wo Entwicklung unbemerkt stehen bleibt.
Erwartung will ein bestimmtes Verhalten.
Führung hingegen schafft einen Rahmen, in dem Verhalten entstehen kann.
Nicht jede Tür muss geöffnet werden.
Nicht jede Hilfe ständig neu gegeben werden.
Manchmal geht es darum, Türen enger zu machen – klarer, ruhiger, verlässlicher.
„Das Wort ist frei. Die Tat ist stumm. Gehorsam blind.“
— Friedrich Schiller
Dieser Satz beschreibt nicht blinden Gehorsam.
Er beschreibt Verantwortung.
Denn es geht nicht nur darum, welche Türen wir dem Hund im Training öffnen oder schließen.
Es geht genauso darum, wo unser eigener innerer Rahmen beginnt – und endet.
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Handlungsketten – warum sich Probleme oft selbst verstärken
In der Praxis begegnen uns immer wieder bestimmte Handlungsketten:
• Aktive, laute Ketten
• Passive, meidende Ketten
• Warte-Ketten durch menschliches Zögern
Diese entstehen oft unbemerkt.
Und sie werden schnell selbstverstärkend – weil wir Menschen erleichtert bestätigen, sobald es irgendwie funktioniert.
Wichtig zu verstehen:
Handlungsketten verschwinden nicht durch Korrektur.
Sie verändern sich durch Klarheit, sauberes Timing – und durch konsequentes Bleiben.
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Worauf Hunde beim Lernen wirklich achten
Der Hund lernt nicht das, was du trainieren willst.
Er lernt das ganze Paket:
• Kontext und Umgebung
• Deine Stimmung und dein inneres Bild
• Bewegung und Körpersprache
• Emotion und Erregungsniveau
• Vorzeichen und Ankündigungen
• Soziale Lage
• Timing und Konsequenz
• Klarheit der Information
• Kriterien und Anspruch
• Motivation, Wertigkeit und Nutzen
• Druck, Begrenzung – oder Sicherheit
• Lerngeschichte und Erfahrung
Deine Körpersprache ist dabei oft stärker als jedes Wort.
Worte begleiten.
Körper führt.
Der Hund entscheidet sich nicht gegen dich.
Er entscheidet sich für das, was in diesem Moment stimmig, verständlich und lohnend ist.
Nicht nur was nach einem Verhalten passiert, ist entscheidend.
Sondern wie zuverlässig es passiert.
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Ein Raum für ehrliche Entwicklung
All diese Themen – und noch viel mehr – sind Teil meines Online-Kurses und des neuen Buches.
Sie richten sich an Menschen, die nicht einfach „mehr machen“ wollen.
Sondern bewusster.
An Menschen, die spüren:
Hier geht es nicht um schneller, höher, weiter.
Sondern um tiefer, klarer, stimmiger.
Nicht, weil es gerade „der richtige Zeitpunkt“ ist.
Sondern weil du es jetzt lesen kannst – und es etwas in dir berührt.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass du innerlich langsamer geworden bist.
Oder stiller.
Oder klarer.
Dann ist genau das der Moment, in dem Entwicklung beginnt.
Deine
Michaela ♥️



